Text: STORYTELLER/MH & Ellie Henman (The Sun) - Fotos: Ellie Henman / Dolce & Gabbana Old Bond Street
Das Jahr 2026 neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen, die Tage werden kürzer, das Wetter schmuddeliger. Viele von uns machen sich bereits Gedanken um das bevorstehende Weihnachtsfest und kaufen erste Geschenke für ihre Liebsten. Ob Sir Rod Stewart auch auf der Jagd nach Präsenten für das Fest der Liebe war, als er am Montag zur Mittagszeit den Dolce & Gabbana Store auf der Londoner Old Bond Street betrat, ist nicht überliefert.
Auch Ellie Henman, Reporterin bei der Tageszeitung „The Sun“ und seit 2023 für die besonderen Geschichten rund um die Stars zuständig, ist an diesem Montag in der Old Bond Street unterwegs. Ihr Ziel ist ebenfalls der Dolce & Gabbana Store, aber nicht unbedingt, um dort ihr hart erarbeitetes Reportergehalt auf den Kopf zu hauen, nein. Die heute 37-jährige Henman hat ein Interview-Date mit Musiklegende Sir Rod Stewart.
„Ich sehe aus wie eine zerzauste Julia Roberts in Pretty Woman“, schreibt sie. „Rod kommt mit zwei Hosen unter dem Arm zum Ändern herein und sagt in seinem typischen Cockney-Akzent: 'Die Hosenbeine sind zu lang“, bevor er hinzufügt: „Und bitte ein Fläschchen Parfüm für die Dame.'
Nachdem ihr dann ein hübsch verpacktes Parfümfläschchen überreicht wurde nehmen die beiden auf einem Sofa Platz, um über Stewarts anstehendes letztes Tourneejahr zu sprechen.
PHÄNOMENALE NACHFRAGE
Nicht ganz ohne Stolz verkündet der Sänger, dass aufgrund der phänomenalen Nachfrage jüngst zwei weitere Zusatztermine zu der fast ausverkauften UK-Tournee hinzugefügt wurden (London & Glasgow, Anm. d. Redaktion).
„Mit 81 Jahren ist das schon bemerkenswert“, sagt Rod über den Ticktverkauf. Fast alle Konzerte im Vereinigten Königreich sind ausverkauft, auch bei den weiteren europäischen Auftritte, unter anderem in Deutschland, gehen die Karten weg, wie die warmen Semmeln. „Ich kann nicht mehr so herumspringen wie mit 32. Aber ich denke, das Publikum weiß, dass ich stimmlich besser bin als je zuvor“, diktiert Stewart seiner Gesprächspartnerin in den Block. „Einige der großen Stimmen sind verstummt. Paul McCartneys Stimme hat etwas nachgelassen. Ich behandle meine Stimme wie einen Schatz. Pavarotti sagte: 'Ich bin ein Gefangener meiner Stimme', und das stimmt auch – man wacht auf und denkt: 'Oh, ich hab Juckreiz. Verdammt! Ich muss absagen.' Ich bin mittlerweile total paranoid, was laufende Nasen angeht. Wenn ich jetzt ausgehe, trage ich weiße Handschuhe wie Michael Jackson. Er hat das gemacht, um sich vor Erkältungen und Grippe zu schützen,“ so Sir Rod.
BEMERKENSWERT GUTE GESUNDHEIT
Auch wenn sich der 81-Jährige im August einem kleinen Eingriff am Herzen unterziehen musste und daraufhin alle restlichen für dieses Jahr geplanten Auftritte absagen musste, so kann sich der Sänger im hohen Alter und nach mehr als sechs Jahrzehnten auf der Bühne doch einer bemerkenswert guten Gesundheit erfreuen.
„Es ist mein straffes Trainingsprogramm. Ich trainiere wie ein Athlet und schlafe viel“, so Rod, der auch erzählt, dass er sich auf jede einzelne Show explizit vorbereitet. „Wenn man in den Zwanzigern oder Dreißigern ist, wärmt man sich nicht mal auf“, lacht er. „Man trinkt, was man will, nimmt Drogen und geht auf die Bühne. Früher haben wir uns mit den Faces immer total zugedröhnt. Heute bin ich absolut nüchtern, wenn ich auf die Bühne gehe, und trinke dann nach dem dritten Song oder so einen Rum-Cola.“
Die Finger von den Drinks zu lassen, ist aber nicht der einzige Grund für Rods außergewöhnliche Fitness. „Außerdem trainiere ich eine Stunde lang, bevor ich auftrete – Dehnen, Radfahren, Ergometer, Massage, Stimmaufwärmen, einfach um mich in Stimmung zu bringen. Es ist wie beim Leistungssport.“
Über sein Training zu Hause fügt Rod hinzu: „Dreimal die Woche fahre ich eine Meile Rad, viele Anstiege, und ich schwimme viel. Frank Sinatra hat mir davon erzählt. Er sagte: ‚Wenn du so viel wie möglich tauchst und die Luft anhältst, bis du platzen willst, werden deine Lungen größer. Und sie gewöhnen sich daran, dass du die Luft anhältst und singst.‘“
Rod und Ellie Henman am vergangenen Montag in London
FIT WIE EIN TURNSCHUH
Der Mann ist fit wie ein Turnschuh und auch seine Stimme ist wieder in Topform. Vergessen ist der Moment als er bei einem Konzert im Sommer auf 1300 Meter Höhe Sauerstoff brauchte. „Ich war krank, was echt Pech war. Ich hatte gerade Bronchitis, und das, obwohl ich in großer Höhe gespielt habe. Mir ging es richtig schlecht. Ich bin rausgerannt und habe drei schnelle Lieder gespielt. Plötzlich hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Ich habe die Show zwar durchgezogen, aber es war echt schmerzhaft“, blickt Stewart zurück und grinst dabei von einem Ohr zum anderen.
Nicht das einzige Mal an diesem Tag, dass sich Ellie Henman fragt, ob der Mann, der ihr gegenüber sitzt, wirklich schon über 80 ist. „Er könnte glatt als 20 Jahre jünger durchgehen“, schreibt sie und dafür dürfte ihr eine große Zustimmung der Leser sicher sein.
Ganz ohne kleine Fehler ist Rod aber dennoch nicht, so sieht es zumindest seine Frau Penny Lancaster. Der Maggie-May-Sänger kann einem guten Glas nicht widerstehen, ganz so, wie es viele Musiker handhaben.
„Nicht, dass ich viel trinke, aber ch liebe Wein zum Abendessen“, erklärt er. „Ich habe einen großartigen Koch, und ich kann zu einem guten Essen einfach kein Wasser trinken. Penny sagt zwar immer: Du musst kürzertreten, Liebling.‘ Ich trinke nur ein paar Gläser. Aber manchmal gönne ich mir einen Apple Martini und den kippe ich dann auch mal runter.“
SPEKTAKULÄRE REISE & GEHEIOME DOKUMENTATION
Auf seine bevorstehende Tournee mit dem Titel „The Final Encore“ freut sich Rod schon heute wie ein kleines Kind. „Es wird phänomenal. Die Setlists werden noch finalisiert, aber meine Fans können sich auf eine spektakuläre Reise in die Vergangenheit freuen, mit zahlreichen Top-Ten-Hits.“
Los geht*s am 29. April in Glasgow. Im nächsten Spätsommer soll dann endgültig Schluss sein mit den großen Konzertreisen. Und was kommt dann?
Rod hat mehrfach betont, dass das Ende seiner Tourneen auf gar keinen Fall bedeutet, dass er in Rente geht. Ehefrau Penny hat mal gesagt: „Rod wird niemals ganz aufhören.“
Und entsprechend hat die lebende Legende schon etliche Pläne für die Zukunft im Kopf. Zunächst einmal das neue Album (A Little Of What You Fancy Does You Good), das im März erscheinen soll.
„Ich habe die Idee, kleinere Konzerte im Stile einer Residency zu spielen. Außerdem habe ich mit Jools Holland gesprochen, mit dem ich das Album 'Swing Fever' aufgenommen habe. Ich weiß nicht, ob er das mit mir machen will, denn ich glaube, er hat Angst, seine Identität zu verlieren. Wenn nicht, gründe ich meine eigene Big Band. Ich würde gerne ein paar Abende im London Palladium spielen, danach vielleicht in der Royal Albert Hall“, berichtet Stewart.
Außerdem ist eine bisher streng geheime Dokumentation in der „Pipeline“. Rod verriet, dass er gerade ein Interview mit seinem alten Kumpel und Rivalen Sir Elton John gegeben hat. „Die Dokumentation, die wir gedreht haben, soll Anfang des Jahres erscheinen. Am Ende … hat er mich auf den Mund geküsst. Und wir haben es gefilmt.“
ZUKUNFTSPLÄNE
Im launigen Gespräch mit Ellie Henman blieb auch Zeit, um zurückzublicken, auf mehr als sechs Jahrzehnte einer außergewöhnlichen Karriere. „Ich möchte mich bei meinen Fans dafür bedanken. Sie haben mir einen unglaublich luxuriösen Lebensstil ermöglicht. Als ich zur Schule ging, hätte ich mir nie träumen lassen, dass es nach meinen Gesangsversuchen so enden würde – ich, mit 81 Jahren auf der Bühne. Es war ein wundervolles Leben, und ich bin unendlich dankbar.“
Das Tourende soll auch ermöglichen, dass Rod in Zukunft mehr Zeit mit seiner Familie verbringen kann und sich seinem großen Hobby, der Modelleisenbahn, widmen kann. Die Anlage erstreckt sich über 156 Quadratmeter und umfasst eine 275 Meter lange Strecke, die durch eine Modellstadt führt. Sie hat Rod jahrzehntelang beschäftigt.
„Ich möchte sie der Öffentlichkeit zugänglich machen und den Erlös spenden“, erklärt er. „Ich denke, ich bekomme die Genehmigung. Ich möchte sie mit der Welt teilen.“
PUTIN IST EIN MISTKERL - TRUMP EIN SCHWEIN
Politik ist eine weitere große Leidenschaft von Rod, obwohl er zugibt, seine Ansichten heutzutage eher für sich zu behalten, aus Angst, missverstanden zu werden.
Ein Thema, über das wir uns jedoch leidenschaftlich unterhalten, ist die Notlage der Menschen in der Ukraine – die Rod seit dem Einmarsch Russlands im Jahr 2022 öffentlich unterstützt.
„Ich hoffe nur, es ist noch nicht zu spät für die Ukraine“, sagt er. „Sie gehen jetzt in den Winter, und das könnte der Wendepunkt sein. Es ist beängstigend. Sie bombardieren die Treibstoff- und Wasserversorgung. Putin ist ein Mistkerl.“
Ein weiteres Streitthema ist US-Präsident Donald Trump, für den Rod nichts übrig hat.
„Ich stehe zu dem, was ich König Charles gesagt habe“, sagt er. Ich sagte: ‚Trump ist ein Schwein.‘ Ich konnte sehen, dass der König lachen wollte.“
Kommentar hinzufügen
Kommentare