Exklusiv für Storyteller: Radiolegende Fritz Egner spricht über Musiklegende Rod Stewart (und das Baby)

Text: STORYTELLER/MH - Fotos: Fritz Egner / Rod Stewart / Renee Stewart

Es gibt kaum jemanden, der ihm das Wasser reichen kann. Wenn man auf der Suche nach den besten deutschen Musikjournalisten ist, führt kaum ein Weg an Fritz Egner vorbei. Der gebürtige Münchner führte in seiner langen Karriere als Radio- und Fernsehmoderator über 400 Interviews mit den Stars der Musikszene. Ob Michael Jackson, Paul McCartney, Tina Turner, Bonnie Tyler oder Mick Jagger – „the German Fritz“ hatte sie alle. Und darunter fallen auch mehrere Treffen mit Musiklegende Sir Rod Stewart.

Storyteller sprach mit Fritz Egner exklusiv über Stewarts Abschiedstournee im kommenden Jahr, über dessen Karriere – und natürlich darf auch die legendäre Geschichte „mit dem Baby“ nicht fehlen.

Aber wer bitte ist Fritz Egner?

An dieser Stelle müssen wir erst einmal einhaken. Viele unserer internationalen Besucher und Leser werden sich fragen: Wer bitteschön ist Fritz Egner? Daher zunächst ein kurzes Porträt des Moderators im Schnelldurchlauf.

Egner wurde 1949 in München geboren und begann seine berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zum Starkstromelektriker. Ende der 1970er Jahre wechselte er als Moderator zum Radiosender Bayern 3.

Von den 1980er Jahren bis ins neue Jahrtausend hinein machte sich Egner auch im deutschen Fernsehen einen Namen, führte als Moderator durch Sendungen wie „Versteckte Kamera“ oder „WWW - Die witzigsten Werbespots der Welt“.

Bis 2024 blieb Fritz Egner dem Bayerischen Rundfunk als Moderator auf den Radiosendern Bayern 3 und Bayern 1 treu. In 50 Jahren hat sich Egner, der heute noch eine wöchentliche Sendung beim Sender „Schwarzwaldradio“ moderiert, ein Archiv mit über 400 Interviews, Fotos und Dokumenten angelegt, darunter unter anderem von Madonna, Phil Collins, Sting, ABBA oder Whitney Houston.

Im Januar 2025 rief Fritz Egner daraus sein eigenes Musikquiz ins Leben, zunächst unter dem Titel „Quiz mit Fritz“. Inzwischen läuft die App unter dem Titel „Hits und mehr“, gehört zu den Partnern unserer Seite und beinhaltet auch ein ausführliches Rod Stewart-Special (Storyteller berichtete ausführlich).

Auf der Autobahn mittags um halb eins


Ein kurzes Rauschen aus den Speakern, als wir Fritz Egners Nummer wählen. Dann ertönt die in Deutschland so wohlbekannte Radiostimme am anderen Ende der Leitung.
„Grüß Gott Herr Egner, hallo Fritz“ - der 77-Jährige ist wie vereinbart in der Leitung. „Ich bin im Auto“, so Egner. „Ich muss nach Offenburg, um dort eine Sendung für das Schwarzwaldradio zu machen“.
Kein Problem, die Leitung ist stabil, die leisen Motorengeräusche im Hintergrund stören nicht weiter. Wir können also ganz entspannt über Rod Stewart quatschen. Und man merkt: Fritz Egner hat eine Menge Freude daran.
„Ich bin nicht unbedingt der Beste in Daten“, eröffnete Fritz das Gespräch, nachdem zunächst ein wenig „off the record“ gefachsimpelt wurde. „Ich habe Rod dreimal getroffen, einmal für ein Fernsehinterview, das erste Mal in den späten 70er Jahren“.
Weiter widmete sich die Gesprächsrunde, Hans Ippisch (von Hits und mehr), Fritz Egner und Martin für den Storyteller, der Frage: Wann war Rod Stewart eigentlich besser? Früh in seiner Karriere? Oder eher in den späten Jahren?
Fritz Egner hat da eine klare Meinung: „Eigentlich in den letzten Jahren, zum Ende seiner Karriere hin. Er hat inzwischen mehr zu sich selber gefunden und sich vom Coversänger, der er lange Jahre war, zum guten und eigenständigen Interpreten entwickelt, nicht zuletzt durch die Great American Songbook-Reihe. Da hat Rod bewiesen, dass er ein ganz großer Interpret ist, weil er Songs so umbaut bzw. umbauen kann, dass man das Gefühl hat, es könnten auch von ihm komponierte Lieder sein. Er hat eine große Authentizität und das finde ich besonders beachtlich“.

Rocker oder Schmusesänger

Das warf die Frage auf, wie Rod Stewart von der Öffentlichkeit am Ende wahrgenommen wird – als Rocker und Roller wie zu Faces-Zeiten, als durchaus kommerziell orientierter Künstler, wie in den 1980ern, oder am Ende als Schmusesänger wie bei den Songbooks?
„Ich glaube, in Deutschland wird Rod Stewart als universeller Interpret gesehen. Es gibt eben die Fangemeinde von früher, die ihn eher als Rocksänger sehen wollen, aber er hat natürlich auch inzwischen seinen Lebensstil seinem Alter und seiner Ausrichtung angepasst“, gibt Egner zu denken. „Rod Stewart hat heute ein Publikum, das aus drei Generationen besteht, da ist er verankert. Und die Fans, die in den letzten 20 Jahren dazu gekommen sind, die knüpfen nicht mehr unbedingt an den frühen Rod Stewart an, sondern haben ihn für sich neu entdeckt.“
Am Ende dürfte es Sir Rod gleich sein, wie sich seine Fanbasis zusammensetzt. Viel mehr dürfte er sich über den in den letzten Jahren entstandenen Hype um seine Person und seine Konzerte gefreut haben. Ausverkaufte Arenen und begeisterte Fans auf der ganzen Welt haben die Konzerte zu echten Erlebnissen werden lassen.
Die Medien berichteten fast zu 100 Prozent positiv, was nicht immer der Fall war, wenn es um den Sänger Rod Stewart ging.
„Die Medien wollen sich natürlich nicht mit ihren wichtigsten Lesern anlegen und vor allem hatte er eine so breite Zustimmung, dass man dann nur Fehler machen kann, wenn man an ihm herumkritisiert. Und zudem gab es ja auch überhaupt keinen Anlass dafür. Er hat immer so eine großartige Band dabei, dann gehen die Leute natürlich gerne zu den Konzerten. Da passt dann alles zusammen, auch weil es sich über die Jahrzehnte so eingespielt hat. Und man darf nicht vergessen: Rod Stewart war niemals irgendein Nebenprodukt, sondern wurde von den Plattenfirmen unterstützt, wenn er was Neues veröffentlicht hatte, und war immer eine zentrale Figur in dem gesamten Szenario“. Der Mann weiß, wovon er spricht. Schließlich hat Fritz Egner Sir Rod einige Male zum Interview getroffen und hatte vom allerersten Mal an einen guten Draht zu ihm. Das konnten wahrlich nicht alle Journalisten von sich behaupten.

Wie konnten Sie also Rod knacken, Herr Egner?

„Ich hatte immer einen guten Zugang zu ihm, weil ich auch einige seiner Idole interviewt hatte und damit konnte ich bei Rod natürlich punkten und das Eis war schnell gebrochen“, so Fritz. „Es war hilfreich, dass ich ihm vieles über Sam Cooke erzählen konnte, das hat Rod immer sehr beeindruckt. Auch, dass ich die Temptations getroffen hatte, oder Sam Cooke live gesehen habe, da war er schon ein wenig neidisch“, lacht Egner, der auch nicht lange braucht, um zuzustimmen, dass man Rod Stewart auch heute noch wie den „Kumpel von nebenan“ wahrnimmt, mit dem man auf der Straße oder an der Theke in der Eckkneipe über Fußball, Autos, Frauen und die Sorgen und Probleme des alltäglichen Lebens diskutieren kann.
So verwundert es nicht, dass Stewart heute noch Freunde und Bekannte aus der Zeit hat, in der er noch ein nahezu unbekannter Pub-Sänger war.
„Diese Freunde haben ihm geholfen, als er für seine Autobiografie die Themen und Details zusammenstellte und sich an einige lange zurückliegenden Dinge nicht mehr erinnern konnte“, berichtet Fritz Egner über das Gespräch zur Veröffentlichung der Autobiografie ROD. „Er hat nie seine Wurzeln abgestreift und ignoriert, sondern hat zu diesen Bekannten und Freunden von früher immer Kontakt gehalten“.

Was treibt Rod Stewart an? 

Was aber hat Rod Stewart über all die Jahre angetrieben? Schließlich reden wir heute über eine Karriere, die deutlich länger als 60 Jahre andauert.
„Das ist die Musik, die er liebt und diese Leidenschaft dafür, die er auch heute noch im Herzen trägt“, ist sich Fritz Egner sicher. „Und die er mit den Menschen teilen kann. Für ihn ist es wahrscheinlich ein großer innerlicher Triumph, wenn er „Twistin' The Night Away“ von Sam Cooke singt und das Publikum mitsingt, weil er die Dinge, die ihn in seiner Jugend so begeisterten, heute noch seinen Fans vermitteln kann, die es dann auch genau so aufnehmen. Sicherlich ein Antrieb für Rod, auch heute noch auf Tournee zu gehen“, glaubt der erfahrene Radiomoderator.
Auf den Einwurf, Rod habe einmal gesagt, er habe acht Kinder und müsse Geld verdienen, landeten wir automatisch beim nächsten Thema (was eine Überleitung!). Die Kinder des Sängers.

Auch da hatte Fritz eine Story parat

„Rod hat mir erzählt, dass er sich einmal mit seinen vier Söhnen gemeinsam eine Dokumentation über die Temptations angeschaut hat und seine Jungs dann am nächsten Tag losgelaufen sind und sich alle Platten der Temptations gekauft haben. Ganz zur Freude von Papa Rod, der hocherfreut war, dass seine Jungs seine Leidenschaft teilen und er ihnen dies so vermitteln konnte“.
Egner geht sowieso davon aus, dass Rod im Grunde eine ganz sensible Figur im grundsätzlich von der Ellbogen-Taktik geprägten Musikzirkus ist „Ich denke, Rod ist so nahe am Wasser gebaut, dass er bei vielen Dingen sofort die Tränen in den Augen hat, vor allem dann, wenn er merkt, dass seine Songs immer noch so gut rüberkommen. Da steckt emotional eine Menge in ihm drin“, ist sich Egner sicher. Emotionen, die sicherlich auch im Privatleben der Musiklegende eine Rolle spielen. Und damit kommen wir zu „dem Baby“.

Und dann war da „das Baby“

Es war in Hamburg, irgendwann Anfang der 90er.
„So genau weiß ich das nicht mehr“, gesteht Fritz. „Wir saßen in einem Hotelzimmer zum Interview. Ich merkte, er rutschte immer mehr hin und her und schien nervös zu sein. 'Rod', fragte ich, 'drängt dich etwas? Dann können wir abbrechen oder unterbrechen'. 'Nein', sagt Rod. 'ich habe nur solche Sehnsucht nach unserem neugeborenen Baby, das im Hotelzimmer über uns ist“. Dann haben wir die restlichen Fragen schnell durchgesprochen – Rod war sehr professionell - und dann, als wir fertig waren, fragte er: 'Hast du Lust mal mein Baby zu sehen?'. Und so gingen wir hoch und kaum ging die Tür von der Suite auf, kam uns seine Frau – Rachel Hunter – entgegen und die streckt mir das Baby entgegen. 'Willst Du es mal halten?'. Ich war bis dahin baby-unerfahren und kinderlos, und hatte panische Angst, dass mir das Baby herunterfällt.“ Fritz atmet auch heute noch tief durch.
Man stelle sich die Schlagzeilen vor:
Journalist lässt Baby von Rod Stewart fallen.
Dass es soweit aber nicht kam, ist der Nervenstärke des Journalisten, aber auch den wachsamen Augen von Rod und Rachel zu verdanken.
„Es war ein sehr emotionaler Moment, auch für mich“, blickt Fritz Egner zurück. „Das war ein enormes Vertrauen, das mir Rod und Rachel damals geschenkt haben. Einfach ein unvergesslicher Moment“.
Tochter Renee, heute 34 Jahre alt, sie war das Baby von damals, wusste seinerzeit aber noch nicht, dass sie dem deutschen „Onkel mit den vielen Fragen“ nochmals begegnen sollte.
„ Bei einem späteren Interview fragte ich Rod, was eigentlich aus Renee geworden ist. Er drehte sich, dann zur Seite und deutete in eine Ecke des Zimmers: 'Da hinten ist' sie'. Da war Renee eine hübsche junge Dame von 16 oder 17 Jahren.“

„Wenn ich das nicht mache, kann ich mit meiner Frau wahrscheinlich nicht mehr rechnen“

Abschließend wollten wir wissen, ob Fritz Egner im nächsten Jahr ein Rod-Stewart-Konzert besuchen wird.
„Also, wenn ich das nicht mache, kann ich mit meiner Frau wahrscheinlich nicht mehr rechnen“, lacht er. „Sie ist riesiger Rod Stewart-Fan. Ich habe ein bisschen Angst, dass da ein Bild etwas in sich zerfällt, was ich von ihm habe, von den großen Konzerten, die ich von ihm gesehen habe. Aber schon allein aus Würdigung von meiner Seite aus, möchte ich das natürlich schon gerne sehen“.
Übernimmt sich Rod Stewart nach seinen Herzproblemen etwa schon wieder mit der Tour 2027?
Egner hat Verständnis: „Er hat natürlich auch Schwierigkeiten, sich von diesem Leben, in dem er alles aus der Musik und den Liveauftritten gezogen hat, zu verabschieden. Aber er sollte schon den richtigen Zeitpunkt finden, um aufzuhören. Denn es wäre sehr schade, wenn er sich selber demontiert. Aber: Auch heutzutage muss man als Musiker, als Sänger präsent sein und dem Publikum zeigen, dass man sich bei ihnen  und mit ihnen wohlfühlt. Auch wenn Livekünstler dieser Kategorie, wie sie Rod Stewart verkörpert, am Ende aussterben und durch die nicht zu stoppende Technologie ersetzt werden."

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