Emely aus dem Sauerland: Wir leben eben in der Pampa

Text: STORYTELLER/MH - Foto: Emely Krieger

Vor einigen Tagen haben wir Euch in der Facebook-Gruppe Emely Krieger vorgestellt, die seit einigen Monaten die Gestaltung der Bilder und anderer Medien für unseren Storyteller übernommen hat, so auch das aktuelle Cover- und Profilbild mit dem auf einem Hocker sitzenden Rod im feinen Zwirn, und mit dem Band-Schnappschuss aus Lissabon im Hintergrund. Mit ihr haben wir jetzt über Rod und ihr Leben als Stewart-Fan gesprochen.

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf in der Nähe des Wintersportorts Winterberg, entdeckte die gelernte Industriekauffrau im Alter von 17 Jahren den Sänger Rod Stewart.

„Es geschah mehr oder weniger durch Zufall, dass ich auf Rod aufmerksam geworden bin“, erzählt Emely. „Bei uns auf dem Land konntest du alles über Kühe und Schweine erfahren, aber was die internationale Musik betraf, da lebten wir eher hinter dem Mond“.

An einem lauen Sommerabend war sie mit Freunden beim alljährlichen Schützenfest unterwegs und genoss den Auftritt einer in der Region bekannten Coverband. „Die spielten alles, von Rock, über Pop bis hin zu Country, die waren echt gut“, erinnert sich die heute 56-Jährige. „Ein Freund von mir, der fuhr total auf die ab und wann immer die Band bei uns irgendwo in der Nähe aufgetreten ist, war er dabei“.

So weit war es bei Emely dann nicht mit der Fanliebe, aber an diesem Abend in der Schützenhalle, wurde sie von einem Song der Band in ihren Bann gezogen. Sie wollte unbedingt wissen, wie der hieß. Also fragte sie nett nach, und bekam zur Antwort: „Das ist Baby Jane von Rod Stewart“. Die Info wurde gespeichert und direkt am nächsten Tag fuhr sie in die Stadt und betrat den einzigen Elektroladen vor Ort, der auch einige Schallplatten verkaufte. „Ich fragte den Verkäufer nach dem Song und er fing an, seine gesamten Schallplatten durchzusuchen. Irgendwann zog er eine rot-schwarze Platte aus dem Fach und hielt sie mir entgegen. 'Das ist die letzte, die wir noch haben', sagte er. 'Das ist das Album von Rod Stewart, auf dem auch Baby Jane drauf ist'. Ich wollte zwar eigentlich nur die Single, aber schlug dann doch zu, nicht, dass die letzte LP auch noch weg war“.

Und so zog Emely mit ihrem Einkauf nach Hause. Der aufmerksame Leser hat natürlich längst bemerkt, dass es sich dabei um Rods Longplayer „Body Wishes“ handelte.

„Als ich zuhause die Platte gehört habe, war es zuerst nur Baby Jane, immer und immer wieder“, berichtete Emely. „Erst später hörte ich mir auch die anderen Songs an“.

War es nun nur Baby Jane oder ein auch anderes Lied, Emely fand das Album jedenfalls toll und konnte auch einige Freunde damit begeistern, als sie ihnen die Lieder vorspielte.

Einige Jahre später fuhr sie mit einer Freundin zum Konzert nach Frankfurt. „Wir hatten über eine Zeitung an einem Gewinnspiel teilgenommen, bei dem man Tickets für das Konzert in der Festhalle gewinnen konnte. Wir hatten eigentlich nicht damit gerechnet, dass wir gewinnen, aber etwa eine Woche vor der Show bekamen wir auf einmal einen Anruf. Wir konnten es gar nicht fassen“. Und stand damit auf einmal vor einem Problem: Wie sollte man nach Frankfurt kommen?

Aus dem kleinen Ort war es gar nicht so einfach, mal eben so nach in die Main-Metropole zu fahren. Mit dem Zug dauerte die Fahrt fast vier Stunden und man musste auch viermal umsteigen.

„Die Fahrt war nervig, aber wir freuten uns diebisch auf das Konzert. Meine Freundin hatte einen Walkman dabei und so hörten wir auf der ganzen Fahrt Rods Musik. Das Konzert war super und Baby Jane war auch dabei. Ich hatte damals wirklich geglaubt, dass er das nur für mich gespielt hat“ lacht Emely.

„Aber die Lieder waren alle toll, live hat er mich wirklich noch mehr geflasht als vorher schon auf Platte“.

Bis heute blieb das Konzert allerdings das einzige, das Emely von Rod erlebt hat. „Wir wohnen halt in der Pampa, da kriegen wir nicht so viel mit“, lacht sie. „Bis wir hören, dass es irgendwo Konzerte gibt, dann sind die meistens schon alle ausverkauft“. Allerdings hofft Emely sehr, dass Rod noch einmal nach Deutschland kommt. „Ich würde ihn gerne nochmal sehen, bisher hat sich leider keine Möglichkeit ergeben. Aber was man so bei Youtube sieht, ist er ja immer noch gut in Form und hat scheinbar sehr viel Spaß bei den Auftritten“, hofft sie. Und bis dahin wird sicherlich die gute alte Baby Jane noch das ein oder andere Mal in der Nähe von Winterberg aus den Lautsprechern von Emelys Musikanlage, die sie schon seit fast 20 Jahren in ihrem Wohnzimmer steht, zu hören sein. „Ich höre den Song heute noch genau so gerne wie früher und wenn der irgendwo läuft, dann drehe ich die Lautstärke hoch, dann müssen meine Nachbarn mithören, ob sie wollen oder nicht“.

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