Text: STORYTELLER/MH - Fotos: Archiv
Stell Dir vor, Du hast einen freien Tag und Rod Stewart kommt in die Stadt. So geschehen im Oktober 2007. Ich lebte zu dieser Zeit in einem Vorort östlich von München, arbeitete für eine große Sportnachrichtenagentur und war im Besitz eines Tickets für das am Abend stattfindende Konzert des Briten in der Münchner Olympiahalle. Und ich hatte einen freien Tag.
Entsprechend gut gelaunt gönnte ich mir ein ausgedehntes Frühstück und machte mich dann auf den Weg in die Stadt. Zunächst führte mich mein Weg nach Harlaching, zum Trainingsgelände des FC Bayern München. Zu dieser Zeit war ich Stammgast an der Säbener Straße, hatte dort viele Bekannte und auch Freunde unter den Angestellten beim FC Bayern. Die Profimannschaft hatte an diesem Morgen Training, was ich mir ansah und mich dabei mit einigen Mitarbeitern des Ordnungsdienstes unterhielt.
Es hieß Zeit verbringen, bis am Abend dann das Konzert in der Olympiahalle stattfand. Das Ticket und das offizielle Tourprogramm, was ich mir zuvor in Hamburg kaufte, waren in meinem Rucksack. Und den hütete ich besser als man in den London die Kronjuwelen bewacht.
KONZERTPLAKAT
Am frühen Nachmittag zog ich dann weiter in die Innenstadt, mein Ziel war zunächst der Marienplatz, wo ich noch einige Besorgungen machen wollte. Unter anderem besuchte ich den Ticketvorverkauf, wo ich ein Rod Stewart-Konzertplakat entdeckt hatte und ich wollte mir dieses für meine Sammlung sichern. Mit einer netten Mitarbeiterin vereinbarte ich dann, dass ich mir das Plakat nach dem Konzert abholen könnte.
Von dort aus ging es dann weiter, am Hofbräuhaus vorbei, bis in eine Nebenstraße. Dort befand sich - und befindet sich heute noch - das Fünf-Sterne-Hotel Mandarin Oriental, von einem gewissen Rod Stewart gerne für seine Aufenthalte in München gebucht. Auch heute?
Vor dem Hotel tat sich nicht viel. Der Concierge stand vor dem Eingang und musterte die Passanten, die an ihm vorbeiliefen. Ab und zu hielt er anreisenden Gästen die Tür auf oder nahm deren Gepäck in Empfang, um es dann in die Lobby zu tragen.
Von Rod Stewart war (noch) nichts zu sehen.
Ich hatte es mir gegenüber in einem kleinen Cafe bequem gemacht, von wo aus ich das Hotel und den Eingang gut im Auge behalten konnte. So verrannen die Minuten, die Stunden, ohne das etwas Wichtiges passierte.
Dann wurde es langsam Zeit, um sich auf den Weg in den Olympiapark zu machen.
Also stiefelte ich zurück zum U-Bahnhof Marienplatz, sprang dort in die U3 und kam dort etwa 15 Minuten später an.
Vom Bahnhof Olympiazentrum lief ich die fünf Minuten rüber zur Olympiahalle, wo bereits etliche Besucher darauf warteten, hineingelassen zu werden.
Als sich die Türen öffneten wurde noch schnell der Merchandise-Stand besucht, dann ging es gleich weiter zu unseren Plätzen. Bis zum Beginn der Show wurde noch gefachsimpelt,. man tauschte nochmal die Erinnerungen an diesen grandiosen Abend in Hamburg aus und so verflog die Zeit wie im Fluge.
Auf einmal war es soweit: Zu den Anfangsklängen von "Some Guys Have All The Luck" tanzte Rod auf die Bühne und los ging's.
An das Konzert an sich habe ich heute - 19 Jahre später - nur noch minimale Erinnerungen. Ich kann mich noch erinnern, dass die Show wie alle in diesem Jahr ein mitreißendes Erlebnis war. Die Setliste zur "Greatest Hits Tour" stand unter dem Einfluss des Albums "Still The Same - Great Rock Classics Of Our Time", das im November 2006 erschienen war. So kamen wir an diesem Abend in den Genuss des Bonnie-Tyler-Kulthits "It's A Heartache", "Have You Ever Seen The Rain" von CCR oder "Father and Son" von Cat Stevens. Drum herum baute Rod an diesem Abend natürlich auch seine Klassiker wie "Maggie May", "Young Turks", "Hot Legs" oder "Baby Jane". Ein besoinderes Highlight war damals - und es ist auch heute noch - "Sailing", ein Song der live gesungen noch viel mehr Power hat und mehr Emotionen hervorruft als die Album-Version.
AB ZUR U-BAHN
Nach dem Ende der Show hetzte ich sofort zur U-Bahn, denn ich hatte noch was vor. Wie eingangs erwähnt, hatte ich das Tourprogramm dabei, was ich mir zuvor in Hamburg gekauft hatte. Nur allzu gerne wollte ich das noch signiert haben. Also hüpfte ich in die nächste U-Bahn und fuhr die 15 Minuten zurück in die Innenstadt. Vom Bahnhof Marienplatz ging es strammen Schrittes zurück zum Hotel Mandarin Oriental. Ein Spatz hatte mir geflüstert, dass Rod an diesem Abend nicht direkt nach Hause fliegen würde, sondern seinen Besuch in München noch zu einem Abstecher ins Sterne-Restaurant "Käfer" nutzen wollte.
Als ich wieder am Hotel ankam, hatten sich dort schon einige Autogrammjäger versammelt. Keine Fans, sondern die Art von Autogrammjägern, die überall auf der Welt auftauchen und allzu gerne ihre erhaltenen Unterschriften für viel Geld im Internet oder auf irgendwelchen Autogrammbörsen verkaufen. Immerhin war die Anwesenheit dieser Leute, ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass Rod auch wirklich kommen würde, denn Autogrammjäger sind in der Regel bestens informiert und vernetzt.
Aber es dauerte, eine Stunde verging, fast zwei, das Essen im "Käfer" schien Rod wirklich sehr gut zu schmecken.
LEICHTE ENTTÄUSCHUNG
Dann aber bog eine schwarze Mercedes-Limousine um die Ecke und hielt genau vor dem Hoteleingang an. Sofort drängte die Meute der Autogrammjäger nach vorne, wurden aber von einer plötzlich auftauchenden Security-Kraft lautstark und auch mit Körpereinsatz zurückgedrängt. Ich hielt mich dezent im Hintergrund, hatte aber meinen Stift und mein Tourprogramm schon in der Hand. Dann stieg Rod aus und verschwand mit ein, zwei Schritten im Hotel. War es das etwa? Nichts mit meinem Autogramm? Ein Gefühl von Enttäuschung kam auf, da war Rod zwei Meter vor mir ausgestiegen und ich kam nicht an ihn heran. Was also nun? Die Zelte abbrechen und nach Hause fahren? Oder noch ein wenig warten, ob sich noch eine Chance ergeben würde?
Die Schar der Autogrammjäger verkleinerte sich zusehends, viele von ihnen hatten aufgegeben und zogen unverrichteter Dinge von dannen. Ich wartete aber noch, meine letzte S-Bahn nach Hause fuhr um 2 Uhr. Also hatte ich noch ein wenig Zeit. Vielleicht bekam Rod ja noch einmal Lust auf eine Brise frische Luft.
LUCA
Und auf einmal war ich ganz alleine. Auch der letzte Autogrammjäger hatte sich verzogen, nun stand ich ganz alleine vor dem Hoteleingang. Die Zeit verstrich, es wurde später und später. Gerade war ich dabei, mich auch auf den Heimweg zu machen, da trat auf einmal ein Mann aus der Hoteltür. Ich erkannte Luca, den Personal Assistant von Rod Stewart. Ich sprach ihn an, stellte mich kurz vor und erzählte, ich sei auf dem Konzert gewesen und hätte seitdem hier gewartet, weil ich gerne ein Autogramm auf mein Tourbook bekommen würde. Luca sah mich an: "Gib mal her das Buch", meinte er und verschwand dann mit meinem Tourprogramm im Hotel. "Ich bin gleich wieder da", rief er noch zurück. Und so war es, etwa fünf Minuten später kam er wieder heraus, drückte mir mein Tourbook in die Hand und meinte: "Rod hat es für Dich unterschrieben". Wow, wie toll war das denn. Gerne hätte ich das Autogramm zwar persönlich geholt, aber so war es natürlich auch vollkommen in Ordnung. Ich bedankte mich bei Luca und dackelte dann glückselig in Richtung S-Bahn.
Am Marienplatz angekommen musste ich feststellen, dass die letzte Bahn gerade weg war. Also fuhr ich zum Ostbahnhof, steuerte dort die Nacht-Dönerbude an und gönnte mir zu sehr später Stunde einen Döner (der beste der Stadt zu dieser Zeit) und ein kühles Helles. Die erste Bahn um 5 Uhr brachte mich dann nach Hause. Ein toller und ereignisreicher Tag war zu Ende.
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