Text: STORYTELLER/MH - Fotos: Screenshot, Celtic FC
Was ein Saisonfinale. Der Celtic Football Club hat es tatsächlich noch geschafft, krönt sich zum 56. Mal zum schottischen Fußballmeister und ist damit alleiniger Rekord-Titelträger vor dem Erzriavlen Rangers. In einer über 90 Minuten rasanten und hart umkämpften Partie setzte sich der alte und neue Champion gegen die Hearts of Midlothian mit 3:1 (1:1) durch und setzte sich damit am letzten Spieltag doch noch an die Tabellenspitze. Die Hearts verpassen damit buchstäblich in letzter Sekunde die erste Meisterschaft seit 66 Jahren.
Als Callum Osmand in der siebten Minute der Nachspielzeit die Kugel zur endgültigen Entscheidung ins leere Tor schob, brachen auf den Rängen alle Dämme. Die Fans strömten den Rasen, herzten ihre Helden in Grün und Weiß, so wie sie sie auf dem inzwischen menschenübervölkerten Rasen zu fassen bekamen. Dabei war die Partie noch gar nicht abgepfiffen, aber an eine Fortsetzung der Partie für die letzten Sekunden war nicht mehr zu denken. Schiedsrichter Donald Robertson tat dann das einzig Richtige und pfiff das Spiel ab.
Auf dem Rasen tanzten die Spieler mit den Fans, Meistermacher Martin O'Neill fiel seinen Trainerstab-Mitarbeitern um den Hals und was machte eigentlich unser Rod?
Na, der war schon nach dem vorentscheidenden 2:1 durch den Japaner Daizen Maeda (87.) wie ein Flummi aus seinem Stühlchen nach oben geschnellt, sprang buchstäblich seinem Sohn Alistair in die Arme und spendete dann kaum enden wollenden Applaus für seine Hoops. Zuvor wurde seine Meisterhoffnung aber auf eine harte Probe gestellt.
Denn die Hearts waren der erwartet starke Gegner - nicht umsonst standen die Mannen aus Edinburgh über viele Wochen an der Tabellenspitze. Ein Unentschieden hätte den Gästen für den Titel gereicht und kurz vor der Pause waren sie diesem ganz nahe, als Lawrence Shankland eine Unsicherheit von Celtic-Keeper Viljami Sinisalo ausnutzte und nach einem Eckball zur Führung einschoss. Den Fans - mit Ausnahme der Hearts-Anhänger - blieb der Schluck Bier im Halse stecken und auch Rod rutschte in seinem Sitz ganz weit nach unten. Schockstarre im Celtic Park - aber nicht lange. Denn in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit entschied der Referee nach einem Handspiel von Hearts-Verteidiger Kyziridis zurecht auf Elfmeter für die Hoops, den der Belgier Arne Engels zum vielumjubelten 1:1-Pausenstand verwandelte (45.+4). Da spricht man wohl vom psychologisch günstigen Moment in einem Spiel.
Dementsprechend beflügelt startete der Titelverteidiger dann auch in die zweite Halbzeit. Die Hausherren hatten nun ein klares Übergewicht und drängten die Gäste aus der schottischen Hauptstadt immer weiter hinten rein. Nur, der erlösende Treffer wollte einfach nicht fallen. Am Ende wurde es ein Rennen gegen die Zeit. Die Uhr tickte gnadenlos dem Abpfiff entgegegen, nur noch wenige Minuten trennte die Hearts vom Triumph.
Dann die 87. Minute: Marcelo Saracchi steckt links den Strafraum zu Osmand durch, der fast von der Grundlinie sofort nach innen flankt. Maeda hält an der Fünferlinie seinen Fuß rein und bugsiert den Ball damit in die rechte Ecke. HoM-Keeper Alexander Schwolow ist geschlagen und auf den Tribünen gibt es nun kaum noch ein Halten.
Doch sollten die Celtic-Anhänger noch Zeit finden, an ihren Fingernägeln zu kauen. Denn der 4. Offizielle zeigte acht Minuten Nachspielzeit an und die Gäste warfen in der Extratime noch einmal alles nach vorne. Die Hausherren schlugen die Bälle nur noch weit aus dem eigenen Strafraum, Hauptsache weg mit der Kugel. In der allerletzten Minute erreicht einer dieser Befreiungsschläge Osmand, der der weit aufgerückten Hearts-Abwehr entwischte und den Ball nach einem Sprint über das halbe Feld ins leere Tor schob.
Dieser Treffer war der Auslöser der eingangs beschriebenen Jubelszenen. Auf dem Rasen, auf den Rängen und natürlich auch auf den Ehrenplätzen, wo Sir Rod seinen Sitz auf Lebenszeit hat, lagen sich die Menschen in den Armen, reckten immer wieder die Fäuste nach oben und sangen bei den von der Stadionregie eingespielten Hits lautstark mit.
Es wurde eine Party in Grün und Weiß , die lange nach Abpfiff von der Pokalübergabe an Celtic-Kapitän Callum McGregor gekrönt wurde. Nach zahlreichen Ehrenrunden verlagerten sich die Festivitäten vom Stadion in die Stadt und die umliegenden Pubs. Ganz sicher, dass auch Sir Rod am Ende dieses denkwürdigen Nachmittags auf den Triumph seiner Hoops das ein oder andere Gläschen zu sich nehmen dürfte. Slàinte, Rod! Slàinte, Celtic!
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