Text: STORYTELLER/MH
Foto: Screenshot TV
Gespannt, und auch ein wenig angespannt, saß Sir Rod Stewart am Mittwochabend auf der Tribüne im Fir Park und verfolgte das Auswärtsspiel seines Celtic FC beim FC Motherwell. Zum Anpfiff konnte der Glasgower Superfan noch nicht ahnen, was ihm für ein Drama bevorstehen würde.
Die Ausgangslage vor dem Spiel: Die noch verbleibenden Titelaspiranten Celtic (2. Tabellenplatz) und Heart of Midlothian (Spitzenreiter) trennte vor diesem Spieltag genau ein Punkt, wobei die Hearts die bessere Tordifferenz aufwiesen.
Im Fir Park kam Celtic zunächst nicht richtig in Tritt. Motherwell, die auch schon am Wochenende den Hearts beim 1:1 das Leben schwer machten, gaben zunächst den Ton an und gingen nach 17 Minuten durch Elliott Watt in Führung. Die Nachricht vom Rückstand Celtics verbreitete sich in Edinburgh im Tynecastle Park in Windeseile. Derart beflügelt schossen die Hearts durch Frankie Kent (29.) und Cameron Devlin (34.) in wenigen Minuten eine 2:0-Führung heraus. Bei diesem Stand wären die Hearts würden vorzeitig als Meister feststehen.
Aber Celtic schlug zurück, kurz vor dem Pausenpfiff nutzte Daizen Maeda die erste und einzige Torchance des Titelverteidigers zum 1:1-Ausgleich (41.). Nach dem Seitenwechsel setzte der noch amtierende Champion dann nach: In Minute 58. brachte der Schwede Benjamin Nygren die Hoops durch einen satten Schuss in den Winkel in Führung. Zeitgleich – und mit dem Wissen um die Führung Celtics – taten die Hearts im Parallelspiel alles dafür, um die Tordifferenz noch auszubauen.
Aber dann nahm das große Drama noch seinen Lauf. Zunächst kassierte Celtic gegen die wieder erstarkten Mannen aus Motherwell in der 85. Minute den 2:2-Ausgleich – Liam Gordon traf die Hoops und die zahlreichen Celtic-Anhänger auf der Tribüne tief ins Mark. Fast zeitgleich erhöhte Blair Spittal im 39 Meilen entfernten Edinburgh auf 3:0 für die Hearts (86.). Zu diesem Zeitpunkt und diesem Tabellenstand hätte Celtic im direkten Duell am Samstag mit vier Toren Unterschied gegen die Hearts gewinnen müssen, um die Meisterschaft doch noch zu verteidigen. Nicht nur Rod auf der Tribüne wusste, dass dies gegen den starken Tabellenführer eine schier unmögliche Aufgabe sein würde. Aber der Fußballgott meinte es gut mit den Mannen von Trainer Martin O'Neill. In der letzten der fünfminütigen Nachspielzeit unterlief Motherwells Sam Nicholson bei einer Abwehraktion im eigenen Strafraum im Kopfballduell mit Auston Trusty ein Handspiel. Schiedsrichter John Beaton wurde vom VAR an die Review-Zone am Spielfeldrand gebeten und entschied dann tatsächlich auf Strafstoß für Celtic! Kelechi Iheanacho schnappte sich die Kugel und verwandelte aus elf Metern in Minute 90.+9 zum tausendfach umjubelten Sieg der Gäste aus Glasgow.
Im Gästeblock fielen sich die Fans in die Arme, tanzten und schrien ihre Freude siegestrunken heraus. Auf der Tribüne konnte auch Sir Rod noch an sich halten, herzte seine Sitznachbarn, als gäbe es kein Morgen. Ausgelassener Jubel also bei den Hoops, dagegen herrschte in Edinburgh eher gedämpfte Freude, denn dort blieb es beim 3:0 und somit hat Celtic die Titelverteidigung im direkten Duell am Samstag nach wie vor in der eigenen Hand. Mit einem Sieg – egal in welcher Höhe – würde Celtic-Kapitän Callum McGregor am Wochenende den Meisterpokal in den Himmel über Glasgow stemmen können. Jedes andere Ergebnis würde allerdings dafür sorgen, dass Heart of Midlothian zum ersten Mal seit 1960, also nach 66 Jahren, die schottische Premierhsip gewinnt.
Man muss kein Prophet sein, um sich vorzustellen, dass Celtic, Sir Rod und allen Fans der Bhoys in Green am Samstag noch einmal 90 nervenaufreibende Minuten bevorstehen könnten.
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