Text: STORYTELLER/MH
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Da war die Laune noch gut: Sir Rod bei der Ankunft am Celtic Park vor der Partie gegen die Rangers
Es war für alle Fans des Celtic Football Clubs einer der schlimmsten Nachmittage in dieser Saison. Der kriselnde Champion, der unter dem neuen Trainer Wilfried Nancy seit Anfang Dezember erst zwei Spiele gewinnen konnte, kassierte ausgerechnet im brisanten Stadtderby gegen den Erzrivalen Rangers mit dem 1:3 (1:0) die sechste Saisonniederlage. Alle Pleiten mussten die Hoops seit der Übernahme des Franzosen am 4. Dezember schlucken.
Es waren noch etwa 20 Minuten auf der Uhr, als ein Großteil der über 60.000 Fans in Grün und Weiß enttäuscht von dannen schlichen. Ihre Bhoys in Green spielten dabei in der ersten Halbzeit stark auf und führten durch einen Treffer von Hyun-Jun Yang aus Minute 20 hochverdient mit 1:0. Die Hausherren vergaben vor der Pause weitere hochkarätige Torchancen, auch weil Rangers-Torhüter Jack Butland einen Sahnetag erwischte, und mit Paraden am Fließband glänzen konnte. Dennoch zweifelten nur wenige der Celtic-Anhänger am 172. Derbysieg gegen die Gers, die zur Pause noch gut bedient waren und nur mit 0:1 hinten lagen. Auf der Tribüne herrschte auch bei Sir Rod gute Laune und tiefste Zuversicht für den Rest der Partie.
Doch in den zweiten 45 Minuten wendete sich das Blatt. Auf einmal waren die Rangers obenauf, Celtic kam kaum noch zum Zuge, geschweige denn zu weiteren vielversprechenden Angriffen. So kam es wie es kommen musste: Mit einem Doppelpack innerhalb von neun Minuten drehte Rangers-Stürmer Youssef Chermiti die Partie in Richtung der Gäste (50. und 59.). Auf den Rängen des Celtic-Park, der heute aber in Hälfte zwei nichts vom „Paradise“ hatte, machte sich mehr und mehr blankes Entsetzen breit. Auch Rod Stewart, oben auf seinem Stammplatz, hatte der Spielverlauf nach der Pause ordentlich die Laune verhagelt und der Superfan der Hoops saß mit zusammengekniffenen Lippen regungslos auf seinem Stühlchen.
Noch am Donnerstag hatte sich der Sänger auf seinen Social Media-Kanälen in einem Video geäußert und zu vermitteln versucht, dass er trotz der jüngsten Misserfolge an ein gutes Derby seiner Bhoys glaube. „Good luck, Rangers“, hatte er dabei zum Abschluss seines kurzen Videos ein wenig ketzerisch gerufen und dabei wohl ganz fest an einen Heimsieg der Grün-Weißen geglaubt.
Spätestens aber in der 71. Minute musste auch Rod dann eingestehen, dass der berühmte Schuss wohl nach hinten losgehen würde, denn just in dieser Minute erzielte Mikey Moore das spielentscheidende 3:1 für die Rangers und im Celtic Park setzte die eingangs schon erwähnte Massenflucht auf den Rängen ein.
Am Ende schlichen auch die Spieler der Hoops mit hängenden Köpfen vom Platz und wurden vom enttäuschten Publikum mit lauten Buhrufen vom Feld begleitet. Dabei richtete sich die Wut der Anhänger auch und wahrscheinlich in erster Linie gegen den überfordert wirkendenTrainer, der es wieder einmal nicht geschafft hat, seiner Mannschaft das entsprechende Siegergen einzuflößen bzw. eine erfolgreiche Taktik zu vermitteln. Ob und wie lange Teammanager Nancy noch im Celtic Park wirken darf, entscheidet sich in den kommenden Tagen, die Anhänger wünschen sich inzwischen beinahe einstimmig eine Rückkehr von Vereinslegende Martin O'Neill, der vor Nancys Verpflichtung sehr erfolgreiche Wochen hatte, unter anderem mit dem starken 3:1 in der Europa League bei Feyenoord Rotterdam.
In der Tabelle der schottischen Premiership hat Celtic durch die heutige Niederlage im Kampf um die Tabellenspitze und die Meisterschaft weiter an Boden verloren. Der Rückstand auf Tabellenführer Heart of Midlothian (heute 1:0 gegen Livingston) beträgt nun wieder sechs Punkte, zudem haben die Rangers nach Punkten und Tordifferenz zum Titelverteidiger aufgeschlossen, Celtic liegt aktuell nur noch aufgrund der mehr erzielten Tore auf Platz zwei.
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